Siroos Mirzaei: Zu meinem Rücktritt als Sprecher der Amnesty-Ärztegruppe

Vorwort

Das folgende Transkript basiert auf einer Videoerklärung von Herrn Prof. Mirzaei zum Thema „Rücktritt als Sprecher der Amnesty-Ärztegruppe“.

Der Text wurde aus dem gesprochenen Wort verschriftlicht. Trotz sorgfältiger Bearbeitung können inhaltliche oder sprachliche Abweichungen sowie Fehler nicht vollständig ausgeschlossen werden.

Der Original‑Videolink ist am Ende dieses Beitrags zu finden.

Liebe Freunde,

seit gestern werde ich immer wieder mit der Frage konfrontiert, warum ich meine Funktion als Sprecher der Ärztegruppe von Amnesty in Österreich zurückgelegt habe beziehungsweise zurücklegen musste. Wie viele von Ihnen wissen, bin ich seit über dreißig Jahren, mit kurzen Unterbrechungen, immer Sprecher der Amnesty Medicine Group in Österreich gewesen.

Ich habe in dieser Arbeit sehr viel gelernt, und wir haben auch sehr viel bewegt, sehr viel entwickelt. In Zusammenarbeit mit dem Amnesty Medical Office war ich am Rande an der Entstehung des Istanbul-Protokolls beteiligt. Ich durfte den Fall Bakari im Gefängnis besuchen und in die Öffentlichkeit bringen.

Bei der Flüchtlingskrise durfte ich in einer Delegation von Amnesty Traiskirchen besuchen, wo wir auch sehr vieles an Mängeln in die Öffentlichkeit gebracht haben. Und so weiter und so weiter.

Und jetzt, in den letzten Jahren mit Schwerpunkt Iran, habe ich sehr viel Fokus darauf gelegt. Und in den letzten zwei Jahren bin ich darauf gekommen, dass man für die Etablierung der Menschenrechte im Iran mit der Pahlavi-Gruppe zusammenarbeiten muss, weil das die Gruppe ist, die am ehesten die Möglichkeit hat, einen Wechsel im Iran herbeizuführen.

Mit der jetzigen Regierung wird es, auch mit kleinen Veränderungen, nie möglich sein, von Menschenrechten im Iran zu sprechen. Mit einem Terrorregime kann man nicht von Menschenrechten sprechen.

Diese Zusammenarbeit seit zwei Jahren mit den Pahlavis wurde mir zum Verhängnis. Es wurden ständig Videos an das Amnesty Office geschickt, zugespielt, dass sich Siroos Mirzaei nicht mehr an die Grundsätze der Menschenrechte hält. Und ich musste dort vortreten und erklären, dass ich nach wie vor die Grundsätze der Menschenrechte einhalte.

Und das war mir eigentlich sehr, sehr peinlich, so eine Erklärung wie ein Schulkind abgeben zu müssen. Aber für die Sache habe ich das gemacht. Dennoch wurden wieder diverse Videos von mir zugespielt, und das war mir dann zu viel.

Und ich habe gesagt: „Jetzt trete ich zurück, damit das Amnesty Office Ruhe hat und ich auch in Ruhe meine Arbeit für Menschenrechte im Iran verfolgen kann.“

So war die Geschichte.
Danke vielmals.
Schönen Abend.

Der Original‑Videolink

Siroos Mirzaei: Zu meinem Rücktritt als Sprecher der Amnesty-Ärztegruppe