Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete des Österreichischen Parlaments!
Im Namen des Vorstandes der Österreichisch-Iranischen Ärztegesellschaft wenden wir uns mit großer Sorge, tiefem Entsetzen und aus ärztlicher Verantwortung an Sie.
Als Ärztinnen und Ärzte sind wir dem Schutz des Lebens, der Menschenwürde sowie der körperlichen und seelischen Unversehrtheit verpflichtet. Mit umso größerer Bestürzung verfolgen wir die derzeitige menschenverachtende Situation im Iran. Junge Menschen beider Geschlechter, die friedlich für Freiheit, Menschenrechte und eine Zukunft mit Perspektiven eintreten, werden mit massiver und unverhältnismäßiger Gewalt angegriffen, schwer verletzt, verhaftet, gefoltert und sogar getötet.
Diese junge Generation kämpft nicht nur für persönliche Freiheit, sondern auch für eine lebenswerte Zukunft: für Bildung und Arbeit, für soziale Sicherheit, für körperliche und psychische Gesundheit sowie für den Schutz der Umwelt. Es handelt sich um grundlegende und legitime Anliegen, die in jedem rechtsstaatlichen System als selbstverständlich angenommen werden müssen.
Besonders erschütternd ist für uns als medizinische Gemeinschaft, dass auch Ärztinnen, Ärzte und medizinisches Personal, die ihrer beruflichen und humanitären Pflicht nachgegangen sind und verletzte Demonstrierende versorgt haben, gezielt verfolgt werden. Zahlreiche Kolleginnen und Kollegen wurden verhaftet, misshandelt, zu langen Haftstrafen oder sogar zum Tode verurteilt. Andere sind selbst Opfer von Gewalt und Repression geworden.
Die Kriminalisierung medizinischer Hilfe stellt einen eklatanten Verstoß gegen internationale medizinethische Grundsätze sowie gegen das humanitäre Völkerrecht dar. Als Ärztinnen und Ärzte empfinden wir diese Verfolgung unserer Kolleginnen und Kollegen als zutiefst beschämend, inakzeptabel und verachtenswert. Aus Solidarität und kollegialer Verantwortung können und dürfen wir dazu nicht schweigen.
Darüber hinaus beunruhigt uns zutiefst der Einsatz extremer Gewalt gegen die Zivilbevölkerung. Friedliche Demonstrierende sehen sich dem Einsatz von militärischen Waffen, gezielten Schüssen, schwerer körperlicher Gewalt und anderen repressiven Maßnahmen ausgesetzt, die schwerste Verletzungen, bleibende Behinderungen und Todesfälle zur Folge haben. Diese Brutalität steht in keinem Verhältnis zu legitimen staatlichen Maßnahmen und stellt eine massive Verletzung grundlegender Menschenrechte dar.
Gesundheit ist ein universelles Menschenrecht und endet nicht an Staatsgrenzen. Wo Menschen systematisch verletzt, gefoltert und damit ihrer Zukunft beraubt werden und wo sogar medizinische Hilfe kriminalisiert wird, ist unsere Stimme als Ärztinnen und Ärzte besonders gefordert.
Wir appellieren daher eindringlich an das österreichische Parlament, sich weiterhin klar, sichtbar und entschieden für die Einhaltung der Menschenrechte im Iran einzusetzen, die Gewalt gegen die Zivilbevölkerung sowie die Verfolgung medizinischen Personals unmissverständlich zu verurteilen und alle verfügbaren politischen und diplomatischen Mittel zu nutzen, um internationalen Druck auf das iranische Regime auszuüben.
Die Menschen im Iran, insbesondere die junge Generation und unsere dort tätigen Kolleginnen und Kollegen brauchen Solidarität, Schutz und eine klare Haltung der internationalen Gemeinschaft.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Der Vorstand der
Österreichisch-Iranischen Ärztegesellschaft
Hier ist unser offizieller Brief (PDF) an das Österreichische Parlament.
Appell der Österreichisch-Iranischen Ärztegesellschaft gegen Gewalt, Repression und Verfolgung von medizinischem Personal im Iran




