Nowrooz-Kulturfest der Österreichisch-Iranischen Ärztegesellschaft 2026
Nowruz, das iranische Neujahrsfest, wurde am Samstag, dem 28. März, von der Iranischen Ärztegesellschaft in Wien feierlich begangen.
Die Veranstaltung fand im Parkhotel Schönbrunn statt und zog zahlreiche Gäste an. Unter den Anwesenden befanden sich prominente Persönlichkeiten aus dem medizinischen Bereich, der Politik sowie weitere geladene Gäste aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen.
In festlichem Rahmen bot der Abend Gelegenheit zum kulturellen Austausch, zum persönlichen Gespräch und zum gemeinsamen Feiern des persischen Neujahrs, das für Erneuerung, Hoffnung und Zusammenhalt steht.
Das Programm begann feierlich mit der iranischen Hymne „Ey Iran“
Das Programm begann feierlich mit der iranischen Hymne „Ey Iran“. Zu Beginn kamen iranische Ärztinnen und Ärzte, symbolisch mit Schärpen in den Farben der iranischen Flagge, die Treppe hinunter. Anschließend begann eine Sängerin mit der Darbietung der Hymne „Ey Iran“. Alle Gäste erhoben sich respektvoll von ihren Plätzen und begleiteten diesen bewegenden Moment stehend.
Im Anschluss richteten Dr. Samira Majlesi, Präsidentin der Iranischen Ärztegesellschaft, Prof. Dr. Shahrokh Shariat und Prof. Dr. Siroos Mirzaei das Wort an die Anwesenden und äußerten sich zur Lage im Iran.
Dr. Samira Majlesi

Während wir hier zusammen sind, gibt es im Iran viele Menschen, die ein schweres Leben führen. Menschen, die für ihre Stimme kämpfen, für ihre Freiheit und ihre Zukunft.
Krieg, Zerstörung und Verzweiflung prägen ihren Alltag. Internet, Strom und die Verbindung zur Außenwelt sind oft eingeschränkt oder unterbrochen.
Die Inflation steigt weiter und belastet das Leben zusätzlich. Ich glaube, wir alle tragen heute diese Gedanken in uns, diese Traurigkeit, aber auch die Hoffnung. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die Hoffnung auf einen freien Iran.
Denn der Iran ist nicht nur das, was wir in den Nachrichten sehen. Der Iran ist so viel mehr. Iran ist ein Land voller Leben, voller Kultur und voller Geschichten. Ein außergewöhnlich reiches Land, nicht nur an Geschichten und Bodenschätzen, sondern vor allem an Menschen.
Ein Land der Vielfalt, in dem unterschiedliche Ethnien, Kulturen, Sprachen und Religionen seit Jahrhunderten miteinander leben. Diese Vielfalt macht den Iran lebendig und einzigartig. Dazu kommt eine beeindruckende Landschaft, von weiten Wüsten über grüne Wälder bis hin zu majestätischen Bergen und Küsten. Und nicht zu vergessen: die tiefe Gastfreundschaft, für die die Menschen im Iran bekannt sind.
Wenn ich an Iran denke, denke ich nicht nur an wunderschöne Orte. Ich denke an Gefühle, an Wärme, an offene Türen und an Menschen, die dich willkommen heißen, selbst dann, wenn sie dich gerade erst kennengelernt haben. Und genau das möchten wir heute Abend mit Ihnen teilen.
Ein Stück dieser Wärme, ein Stück dieser Kultur und ein Stück dieses Herzens. Trotz all der Schönheit und Hoffnung, die wir mit Nowruz verbinden, dürfen wir eins nicht vergessen: die aktuelle Situation im Iran. Während wir hier gemeinsam sind, leiden dort viele Menschen.

Menschen, die für ihre Freiheit, ihre Würde, ihre Zukunft kämpfen und dafür oft ihre Gesundheit, ihre Freiheit und sogar ihr Leben riskieren.
Für uns ist der Iran nicht einfach eine Nachricht in den Medien. Es sind Menschen. Menschen, die wir kennen und um die wir uns sorgen. Und genau deshalb berührt uns diese Situation so tief.
Besonders betroffen sind auch Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitssystem, Ärztinnen, Ärzte, Krankenschwestern und Pflegepersonal, die trotz ihres Einsatzes für das Leben selbst verfolgt, misshandelt und getötet werden.
Als Medizinerinnen und Mediziner fühlen wir uns für diese Menschen verantwortlich und wir fühlen uns zu ihnen verbunden. Es ist erschütternd, dass Menschen wegen ihrer humanitären Arbeit oder ihren, ihres Einsatzes für Freiheit verfolgt werden.
Das dürfen wir nicht akzeptieren.
Wir dürfen nicht wegschauen und wir werden nicht vergessen. Gerade deshalb ist Solidarität so wichtig mit den Menschen, nicht mit den Strukturen, die sie unterdrücken. Denn wer Freiheit schätzt, schätzt sie überall und fordert es ein, auch dort, wo, wo diese Freiheit fehlt. Wir haben Wünsche.
Wir wünschen uns Freiheit, Frieden, Gesundheit und Würde für den Iran und sein Volk. Wir wünschen uns ein Leben ohne Angst, ohne Unterdrückung, ohne Gewalt für alle Menschen überall. Und wir wünschen uns, in naher Zukunft eines Tages alle gemeinsam mit Ihnen in Iran zu feiern.
Harroz Nowruz, Nowruz Piruz, Payende Iran.
Danke.
Im Anschluss richteten Dr. Samira Majlesi, Präsidentin der Iranischen Ärztegesellschaft, Prof. Dr. Shahrokh Shariat und Prof. Dr. Siroos Mirzaei das Wort an die Anwesenden und äußerten sich zur Lage im Iran.
Prof. Dr. Shahrokh Shariat

Aber Nowruz geht nicht nur um Schmerz. Nowruz steht für Erneuerung. Es geht darum, was als Nächstes kommt. Es geht um die Zukunft. Und deshalb möchte ich nicht mit Angst enden, sondern mit Hoffnung. Und Hoffnung nicht als Schlagwort. Hoffnung als Verantwortung.
Stellen wir uns also gemeinsam ein freies Iran vor.
Stellen wir uns ein Iran vor, in dem Frauen gleichberechtigt sind – nicht nur in Worten, sondern im Gesetz, im Alltag und in der Macht. Stellen wir uns ein Iran vor, in dem eine Frau selbst entscheiden kann, wie sie sich kleidet, wie sie lebt, wie sie spricht und wie sie sich ohne Angst in der Welt bewegt.
Stellen wir uns ein Iran vor, in dem man lieben kann, wen man will, sein kann, wer man ist, denken kann, was man denkt, sagen kann, woran man glaubt, und leben kann ohne Demütigung, Gewalt oder Terror. Stellen wir uns ein Iran vor, in dem Kinder ohne Propaganda, ohne Angst, ohne das Gefängnis als Schatten über ihrer Zukunft aufwachsen – ohne zuerst das Schweigen zu lernen, bevor sie Freiheit lernen.
Stellen wir uns ein Iran vor, in dem Ärztinnen und Ärzte keine Angst haben zu heilen, Pflegekräfte keine Angst haben zu helfen, Studierende keine Angst haben zu sprechen und Patientinnen und Patienten keine Angst haben, ein Krankenhaus zu betreten.
Stellen wir uns ein Iran vor, in dem Wissenschaft frei ist, Universitäten offen sind, Journalistinnen und Journalisten nicht verfolgt werden und Künstlerinnen und Künstler nicht ausgelöscht werden.
Stellen wir uns ein Iran vor, das den Menschen ihre Zukunft zurückgibt. Und dann stellen wir uns vor, was ihr hier in dieser Zukunft bedeuten könntet. Stellt euch vor, Ärztinnen und Ärzte mit iranischen Wurzeln helfen dabei, Vertrauen wieder aufzubauen, Institutionen neu aufzubauen, medizinische Ausbildung neu zu gestalten, wissenschaftlichen Austausch wiederherzustellen und Hoffnung neu zu schaffen.

Stellt euch vor, mitzuhelfen, ein Land zu formen, in dem Exzellenz nicht mehr bestraft wird, Menschlichkeit nicht mehr kriminalisiert wird und Freiheit keine Angst mehr auslöst.
Diese Zukunft kann jetzt beginnen, aber sie wird nicht zufällig kommen. Sie wird kommen, weil Menschen wie wir entscheiden, dass das Schweigen hier endet.
Sie wird kommen, weil Menschen aufstehen, sich entscheiden zu sprechen, zu handeln, aufzubauen und Gleichgültigkeit zu verweigern.
Und wenn wir weiteres Leid verhindern wollen, dann können wir nicht einfach auf Veränderung warten. Lasst dieses Nowruz also mehr sein als eine Feier. Lasst es eine Verpflichtung sein.
Eine Verpflichtung, für Frauen einzustehen. Eine Verpflichtung, für Freiheit einzustehen. Eine Verpflichtung, für die Jugend einzustehen. Eine Verpflichtung, für die Menschlichkeit einzustehen.
Lasst uns also helfen, ein Iran aufzubauen, das seine Menschen verdienen.
Nowruz. Piruz.
Die folgenden Auszüge geben die originalen Äußerungen von Prof. Dr. Shahrokh Shariat in englischer Sprache wieder, sodass Sie diese im Anschluss im *Original lesen können.

Prof. Dr. Siroos Mirzaei
Jetzt haben wir einige schöne Bilder aus dem Iran gesehen. Erzählungen von den zwei Geschichtenerzählern und von meiner Kollegin Samiraye Aziz. Aber ich darf auch daran erinnern, dass wir selbst in Wien eine Organisation gegründet haben, die „Verein Hemayat“ heißt.
Hemayat bedeutet Unterstützung, Förderung von Kriegsopfern.
Seit dreißig Jahren existiert dieser Verein, und in diesem Verein werden Folter- und Kriegsopfer aus der ganzen Welt untersucht und behandelt. In diesen dreißig Jahren bestand meine Arbeit stets in der Untersuchung von Patientinnen und Patienten im Hinblick auf Folterspuren.
In diesem Zusammenhang haben wir zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten durchgeführt und in Fachzeitschriften publiziert.
Im Rahmen meiner dreißigjährigen Tätigkeit bei Hemayat habe ich Folteropfer aus der ganzen Welt untersucht: aus dem Balkan zur Zeit der Balkankrise, Kurdinnen und Kurden aus dem Irak, Iran, Syrien und der Türkei, Tschetschenen, Menschen aus Afghanistan unter den Taliban sowie aus verschiedenen Ländern Afrikas. Die brutalsten Foltererfahrungen wurden jedoch häufig von Betroffenen aus iranischen Gefängnissen geschildert.
Sowohl psychisch als auch physisch und medikamentös werden Methoden angewendet, die nur zum Teil aus den dunkelsten Kapiteln der Weltgeschichte bekannt sind. Immer wieder kommt es sogar vor, dass Gefangene aus der Haft entlassen werden und wenige Tage später unter ungeklärten Umständen sterben.
Häufig handelt es sich dabei um junge Menschen; oder sie begehen nach ihrer Freilassung Suizid.
Einige Foltermethoden sind sogar gesetzlich verankert und werden offiziell nicht als Folter, sondern als Strafmaß deklariert, etwa Peitschenhiebe oder Amputationen.

Der Iran gehört seit Jahren zu den drei Ländern mit den meisten Hinrichtungen weltweit und, bezogen auf die Bevölkerungszahl, immer wieder zu den Ländern mit den höchsten Hinrichtungsraten. Vorige Woche wurde ein Siebzehnjähriger, Amir Nurullahi, hingerichtet. Der sechzehnjährige Mohammad Hossein Shokri steht auf der Hinrichtungsliste des Regimes.
Selbst wenn Bomben fallen, verzichtet das Regime nicht darauf, die eigene Jugend hinzurichten.
Im Januar dieses Jahres kam es zu einem Massaker ungeheuren Ausmaßes auf den Straßen. Die Zahl der Opfer wird auf über dreißigtausend geschätzt.
In keinem anderen Land hat eine Regierung so viele Menschen aus der eigenen Bevölkerung öffentlich getötet und massakriert. Die Zeit reicht heute nicht aus, um alle schweren Menschenrechtsverletzungen des iranischen Regimes aufzuzählen.
Verbrechen gegen die Menschlichkeit gehören dort zur Tagesordnung.
Was jedoch die aktuellen Massenproteste von früheren, wie etwa der Grünen Bewegung, unterscheidet, ist, dass erstmals seit Beginn der Islamischen Republik eine klare politische Alternative benannt wurde: Reza Pahlavi.
Große Teile der Opposition und der Bevölkerung unterstützen diese Entwicklung. Das Regime zeigt seine wahre DNA durch seine auf Terror ausgerichteten militärischen Aktivitäten, einschließlich der Unterstützung bewaffneter Gruppen im Ausland wie Hamas und Hisbollah sowie der Installation dutzender Raketenbasen im ganzen Land.
Wie wir gesehen haben, fehlen jedoch grundlegende Schutzmaßnahmen für die eigene Bevölkerung, etwa Schutzräume. Die Zivilbevölkerung ist daher auf internationale Unterstützung angewiesen.
Österreich und die Europäische Union könnten eine wichtige Rolle dabei spielen, etwa durch eine offizielle Kontaktaufnahme mit einer politischen Persönlichkeit wie Reza Pahlavi, die in breiten Teilen der Gesellschaft Akzeptanz findet.
Das würde nicht bedeuten, eine bestimmte Regierungsform vorwegzunehmen, sondern lediglich den Weg für eine Übergangsregierung zu unterstützen.
Über die zukünftige Staatsform sollte jedoch das iranische Volk selbst entscheiden, wie Pahlavi auch immer wieder in seinen Stellungnahmen betont hat.
Lassen Sie mich zum Schluss kommen: Freiheit und säkulare Demokratie – überall und auch im Iran.
Payande Iran
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Künstlerinnen und Künstler






Zum feierlichen Abschluss der Nowruz‑Veranstaltung sorgten iranische Künstlerinnen und Künstler mit einem vielfältigen kulturellen Programm für eine besondere Atmosphäre. Musikalische Darbietungen, eindrucksvolle Gesangseinlagen sowie Rezitationen aus Ferdowsis Schahnameh erinnerten an die reiche literarische und kulturelle Tradition Irans. Ergänzt wurde das Programm durch ausdrucksstarke Tanzdarbietungen, die das Publikum begeisterten.
Diese künstlerischen Beiträge verliehen den diesjährigen Nowruz‑Feierlichkeiten zusätzlichen Glanz und unterstrichen den verbindenden Charakter des iranischen Neujahrsfestes.
*Prof. Dr. Shariat.
That is all from humanity itself. This is why it must be clear. Women rights are not regional issues. Human rights are not regional issues. The right to help the wounded is not a regional issue. These are human values. But Nowruz is not only about pain. Nowruz is about renewal. It’s about what comes next. It’s about the future. And that is why I want to end not with fear, but with hope. And hope not as a slogan. Hope as a responsibility. So let’s imagine together a free Iran. Imagine an Iran in which women are equal, not only in words, but in law, in daily life, and in power. Imagine Iran in which, in which a woman can choose how she dresses, how she lives, how she speaks, how she walks through the world without fear. Imagine Iran in which you can love whom you want, be who you are, think what you think, say what you believe, and live without humiliation, violence, or terror. Imagine Iran in which children can grow up without propaganda, without fear, without prison hanging over their future, without learning silence before you learn freedom. Imagine an Iran in which doctors do not fear healing, nurses do not fear caring, students do not fear speaking, patients do not fear entering a hospital. Imagine Iran in which science is free, universities are open, journalists are not hunted, artists are not erased. Imagine Iran that gives their people back their future. And then imagine what you here could mean in that future. Imagine doctors of Iranian heritage in Austria helping to rebuild trust, rebuild institutions, rebuild medical education, rebuild scientific exchange, rebuild hope. Imagine helping shape a country in which excellence is no longer punished, humanity is no longer criminalized, and freedom is no longer feared. That future could be now, but it will not come by accident. It will come because people like us decide that silence ends here. It will come because people will stand up, choose to speak, and build and refuse indifference. And if you want to prevent further harm, then we cannot simply wait for change. So let this Nowruz be more than a celebration. Let it be a commitment. A commitment to stand for women, as to be a commitment to stand for freedom, a commitment to stand for youth, as commitment to stand for humanity. So let us help build that Iran that its people deserve. Nowruz be Nowruz.
Nowrooz-Kulturfest der Österreichisch-Iranischen Ärztegesellschaft 2026




