Hollywoods schönster Star – und die Frau hinter WLAN, Bluetooth und einer geheimen Kriegs-Erfindung
Hedy Lamarr war eine der bekanntesten Filmschauspielerinnen ihrer Zeit – und zugleich eine technisch begabte Erfinderin. Ihr Beitrag zur drahtlosen Kommunikation wurde lange kaum beachtet, ist heute jedoch als wichtiger Vorläufer von Technologien wie WLAN, Bluetooth und bestimmten Mobilfunkverfahren anerkannt.
Sie wurde am 9. November 1914 in Wien als Hedwig Eva Maria Kiesler geboren und starb am 19. Januar 2000 in Casselberry, Florida. Neben ihrer Filmkarriere beschäftigte sie sich intensiv mit Technik, Mathematik und Konstruktionen.
Frühe Jahre und Beginn der Filmkarriere
Lamarr wuchs in einer jüdischen Familie in Wien auf. Schon als Jugendliche interessierte sie sich für Schauspiel und erhielt Unterricht am Theater. Internationale Aufmerksamkeit erlangte sie 1933 mit dem tschechoslowakischen Film „Ekstase“.
Nach einer kurzen, schwierigen Ehe mit dem österreichischen Industriellen und Waffenhersteller Friedrich Mandl floh sie 1937 aus Europa. In Hollywood nahm sie den Künstlernamen Hedy Lamarr an und erhielt einen Vertrag bei Metro-Goldwyn-Mayer.
Dort wurde sie schnell zu einem der größten Stars der 1930er- bis 1950er-Jahre. Studios vermarkteten sie oft vor allem über ihr Aussehen. Lamarr selbst wollte jedoch nicht auf diese Rolle reduziert werden und arbeitete nebenbei an technischen Ideen.
Die Erfindung des Frequenzsprungverfahrens
Während des Zweiten Weltkriegs entwickelte Hedy Lamarr gemeinsam mit dem Komponisten und Pianisten George Antheil ein Verfahren zur störsicheren Funkübertragung.
Das Problem: Funkgesteuerte Torpedos konnten durch feindliche Störsender abgefangen oder manipuliert werden. Lamarr und Antheil entwickelten deshalb ein Konzept, bei dem Sender und Empfänger gleichzeitig und nach einem abgestimmten Muster schnell zwischen unterschiedlichen Funkfrequenzen wechseln. Dieses Prinzip heißt Frequenzsprungverfahren beziehungsweise Frequency Hopping.
Die Grundidee war:
- Ein Funksignal bleibt nicht dauerhaft auf einer einzigen Frequenz.
- Sender und Empfänger wechseln synchron zwischen vielen Frequenzen.
- Ohne Kenntnis der Wechselabfolge ist das Signal schwer zu stören oder abzuhören.
- Die Übertragung wird dadurch robuster und sicherer.
Am 11. August 1942 erhielten Lamarr und Antheil in den USA das Patent US 2,292,387 für ein „Secret Communication System“.
Die US-Marine setzte das Patent zunächst nicht unmittelbar ein. Später wurden ähnliche Prinzipien jedoch für militärische Kommunikation weiterentwickelt. Heute gehören Verfahren mit Frequenzwechsel und verwandte Spreizbandtechniken zu wichtigen Grundlagen zahlreicher drahtloser Systeme.
Bedeutung für heutige Technik
Es wäre ungenau zu sagen, Hedy Lamarr habe WLAN oder Bluetooth allein erfunden. Diese Technologien entstanden viele Jahrzehnte später durch die Arbeit großer Teams und beruhen auf zahlreichen Patenten und technischen Entwicklungen.
Ihre Erfindung zählt aber zu den frühen, wegweisenden Ideen für:
- störsichere Funkübertragung,
- sichere drahtlose Kommunikation,
- Frequenzsprungverfahren,
- Spreizbandkommunikation,
- bestimmte technische Grundlagen von Bluetooth,
- Teile der Entwicklung moderner WLAN- und Mobilfunksysteme,
- militärische Funk- und Kommunikationssysteme.
Ihr Patent wurde während des Krieges nicht wirtschaftlich verwertet. Lamarr und Antheil erhielten dafür zu Lebzeiten keine nennenswerte finanzielle Vergütung.
Weitere technische Ideen
Neben dem bekannten Kommunikationssystem arbeitete Hedy Lamarr an weiteren Erfindungen und Konzepten. Nicht alle wurden patentiert oder technisch umgesetzt. Zu ihren überlieferten Ideen und Arbeiten zählen:
- Verbesserungen für Flugzeuge und Flugzeugbauteile, darunter Überlegungen zu aerodynamischen Formen.
- Ein Konzept für ein Verkehrs- beziehungsweise Ampelsystem, das den Straßenverkehr besser organisieren sollte.
- Ein kohlensäurehaltiges Getränketabletten-Konzept, das sie während des Zweiten Weltkriegs entwickelte. Es sollte Wasser geschmacklich verändern, war aber kein kommerzieller Erfolg.
- Allgemeine technische und militärische Überlegungen, die sie aus ihrem Interesse an Konstruktion, Chemie und Kommunikation entwickelte.
Bei diesen weiteren Projekten ist die Quellenlage teilweise weniger eindeutig als beim patentierten Frequenzsprungverfahren. Ihr gesicherter und dauerhaft bedeutender technischer Beitrag bleibt das gemeinsam mit George Antheil entwickelte Kommunikationspatent.
Leistungen als Schauspielerin
Hedy Lamarr war nicht nur Erfinderin, sondern auch eine erfolgreiche Schauspielerin mit einer langen Filmografie. Zu ihren bekanntesten Filmen gehören:
- „Ekstase“ (Extase, 1933)
- „Algiers“ (1938)
- „Lady of the Tropics“ (1939)
- „I Take This Woman“ (1940)
- „Boom Town“ (1940)
- „Comrade X“ (1940)
- „Come Live with Me“ (1941)
- „Ziegfeld Girl“ (1941)
- „H. M. Pulham, Esq.“ (1941)
- „Tortilla Flat“ (1942)
- „White Cargo“ (1942)
- „The Heavenly Body“ (1944)
- „Experiment Perilous“ (1944)
- „Her Highness and the Bellboy“ (1945)
- „The Strange Woman“ (1946)
- „Samson and Delilah“ (1949)
- „A Lady Without Passport“ (1950)
- „My Favorite Spy“ (1951)
- „The Female Animal“ (1958)
Besonders erfolgreich war „Samson and Delilah“ von Cecil B. DeMille. Der Film gehörte 1949 zu den kommerziell erfolgreichsten Produktionen Hollywoods.
Späte Anerkennung
Viele Jahre lang wurde Hedy Lamarrs technische Leistung in der Öffentlichkeit unterschätzt. Erst in den 1990er-Jahren erhielt sie größere Anerkennung.
Zu ihren wichtigsten Auszeichnungen und Ehrungen gehören:
- 1997: Electronic Frontier Foundation Pioneer Award, gemeinsam mit George Antheil, für das Frequenzsprungverfahren.
- 1997: BULBIE Gnass Spirit of Achievement Award, eine Auszeichnung für Erfinderinnen und Erfinder.
- 2014: Aufnahme in die National Inventors Hall of Fame in den USA, posthum und gemeinsam mit George Antheil.
- Ihr Geburtstag, der 9. November, wird in mehreren deutschsprachigen Ländern als Tag der Erfinder begangen, insbesondere in Österreich, Deutschland und der Schweiz.
Überblick: Hedy Lamarrs Leistungen
| Bereich | Leistung |
|---|---|
| Film | Internationaler Hollywood-Star von den 1930er- bis 1950er-Jahren |
| Film | Hauptrollen in erfolgreichen Produktionen wie „Algiers“ und „Samson and Delilah“ |
| Erfindung | Mitentwicklung eines geheimen, störsicheren Kommunikationssystems mit George Antheil |
| Patent | US-Patent 2,292,387 von 1942 für das Frequenzsprungverfahren |
| Technik | Früher Beitrag zur drahtlosen, störsicheren Kommunikation |
| Technische Wirkung | Wichtiger Vorläufer moderner Spreizband- und Funktechnologien |
| Weitere Ideen | Konzepte zu Verkehrssystemen, Flugzeugtechnik und Getränketabletten |
| Auszeichnungen | Pioneer Award der Electronic Frontier Foundation, 1997 |
| Auszeichnungen | Aufnahme in die National Inventors Hall of Fame, 2014 |
| Kulturelle Bedeutung | Namensgeberin und Symbolfigur für Frauen in Technik, Forschung und Erfindung |
Fazit
Hedy Lamarr war weit mehr als ein Hollywoodstar. Sie verband künstlerisches Talent mit technischem Denken und entwickelte in einer Zeit, in der Frauen in Wissenschaft und Ingenieurwesen häufig übergangen wurden, eine bedeutende Idee für sichere Funkkommunikation. Ihr Leben zeigt, dass Kreativität nicht auf eine einzige Tätigkeit beschränkt ist: Lamarr prägte sowohl die Filmgeschichte als auch die Geschichte der Kommunikationstechnik.
Hollywoods schönster Star – und die Frau hinter WLAN, Bluetooth und einer geheimen Kriegs-Erfindung




